Hoefer Sport und Reisen, Regionalbüro

26.06.2021 – GrimmSteig an einem Tag (GrimmSteig-Tage etwas anders)


 

Prolog

Ich möchte hier meine eigenen subjektiven Erfahrungen und Eindrücke an diesem „Erlebnis-Tag“ schildern.

Im 2. Coronajahr ist es leider wieder soweit: Die GrimmSteig-Tage in der bekannten Form müssen ausfallen. Was zum Leidwesen der vielen Teilnehmer sein muss, bringt der Wanderschule Nieste neue Möglichkeiten. Da wir nicht in die Organisation eingebunden waren, konnten wir selber eine kleine Veranstaltung mit allen Sicherheitsmaßnahmen durchführen. Das Ziel war durchaus ambitioniert und war dann auch in der Durchführung nicht ganz so einfach. Außerdem hatte noch keiner Erfahrungen, wie sich der GrimmSteig im Uhrzeigersinn an einem Stück bewältigen lassen könnte. Ich war schon sehr gespannt.

 

Vorbereitung

Anders als in den letzten Jahren sind alle Sportwanderungen ausgefallen. Meine sportlichen Aktivitäten drehten sich dieses Jahr doch mehr um das neu erworbene E-Bike. Man kann auch ein E-Bike durchaus sportlich bewegen. Aber als richtiges Training und Vorbereitung kann man das Fahren nun nicht bezeichnen. So beschränkten sich meine Trainingsläufe auf die wöchentliche Abendwanderung der Sportwandergruppe, die glücklicherweise seit Ende Mai wieder stattfinden dürfen. So war ich zwar hochmotiviert, aber eigentlich ziemlich untrainiert zu der Wanderung gekommen. Immerhin habe ich technisch aufgerüstet: Ein paar neue Laufschuhe und spezielle Socken sollten das „Blasenproblem“ angehen. 50 km–Wanderungen sind nicht so das Problem, danach gehen die Füße aber ziemlich auf und es bilden sich heftige Blasen!!

Der Wetterbericht für Samstag war ziemlich gut. Es sollte trocken bleiben, relativ sonnig und nur eine geringe Gewittergefahr. Allerdings hatten wir einen Tag vorher starke Regenfälle mit ca. 40l/qm. Das war suboptimal.

 

Start

Um 2 Uhr trafen wir uns mit insgesamt 9 Wanderern in der klaren, vollmondhellen Nacht an der Königs-Alm. Eine kleine Ansprache zum Start mit einigen Infos zur Strecke und dann ging es endlich los. Wenige Stirnlampen reichten und immer wieder erhellte der Mond die Wanderstrecke. Es war kühl, nicht zu kalt. Eigentlich ganz angenehm. Leider waren die pfadigen Wege im Gläsnertal komplett durchweicht. Daher entschied ich mit der Gruppe, dass wir im 1. Teil vermehrt auf Forststraßen setzen würden und dem Schlamm gerade im Dunkeln ausweichen wollen. So gingen wir zügig durchs Gläsnertal, hinauf auf den Kasselweg. Dort an den Windkraftanlagen wurde es schon angenehm hell. Leider waren wir im Tempo nicht ganz homogen. Die Idee, die ersten 30 Kilometer relativ durchzulaufen, klappte nicht und wir mussten häufiger warten, bis alle Mitwanderer wieder zusammen waren. Die Sonne grüßte am Hirschberg zum schönen Morgen. Da war sie natürlich noch gerne gesehen, später freute ich mich schon über Schattenplätze. Meine Beine fühlten sich gut an. Ich powerte mich nicht aus und konnte recht entspannt gehen. Der Schnitt lag bei ca. 5,7 km/h. Das war ok, aber die häufigen Pausen ließen uns ca. 30 Minuten hinter dem Zeitplan hinterherhinken. Das war aber noch ok. Jetzt sind wir endlich in Velmeden. Mein Hunger macht sich deutlich bemerkbar. Frühstücken wäre schon sehr schön, aber hier unten vor dem Meißner? Nein, da müssen wir erstmal rauf, keine Wahl. Das 1. Steilstück türmte sich richtig auf. Aber es war doch kürzer als gedacht. Jetzt geht der Weg recht eben und dann sogar wieder etwas bergab. Eigentlich angenehm. Doch leider war der Weg komplett mit Grass bewachsen, daher sehr nass, und ich spürte langsam, wie die Füße feuchter wurden. Jeden Schritt bedacht setzen, ja nicht zu hohes Gras, Nasse Füße bringen oft ein schnelles Ende. Zum Glück für die Füße, zum Pech für den Rücken, ist rund um Hausen alles asphaltiert. War dieser Berg schon immer so steil? Ich dachte der Weg wäre hier eben? Nein es geht stetig bergan, teils auch recht steil. Ich dachte immer, von Velmeden wäre es viel flacher als über die Seesteine. Egal, oben wartet leckerer Kaffee und Frühstück. Diesen Magnet spürte ich. Jeder ging am Berg sein eigenes Tempo, aber der Kaffee ruft. Also rauf, Rucksack runter, strahlen, Kaffee in die Hand und erstmal genießen. Die ersten 30 Kilometer sind geschafft, wir sind auf dem König der nordhessischen Berge und warten auf das, was noch kommen wird… .

 

Auf nach Reichenbach

Ab jetzt beginnen die kürzeren Abschnitte. Nur noch denken von Pause zu Pause. Die Füße tragen mich irgendwie dahin. Wir starten am Meißner und beschließen, das Tempo zu mindern. Conny, die uns mit dem leckeren Frühstück verwöhnt hat, steigt nun auch mit ein und beschließt eher am Ende zu gehen. Daher gehe ich auch etwas mehr in der Mitte, um die Schnellen nicht noch zu höherem Tempo zu animieren. Bergab über die Seesteine und die steilen Wiesenpfade geht es sowieso langsamer. Die Sonne steht mittlerweile schon recht hoch und brennt erbarmungslos auf uns und das schöne Seitental herab. Die Felder bieten keinerlei Schatten. Ich freue mich auf Hasselbach und eine kurze Pause am idyllischen Wasserhaus. In Hasselbach kommt auch eine weitere Wanderin hinzu. So wird die Gruppe langsam größer. Am Wasserhaus gibt es eine kleine Quelle. Es ist einfach angenehm, die Hände ins Wasser zu halten und die Pulsadern zu kühlen. Ein bisschen komisch ist es aber, alle Teilnehmer zu beobachten, wie sie sich ungelenk über das Wasser beugen. Nach 40 Kilometern ist eigentlich keiner mehr so richtig gelenkig. Laufen geht, klar. Bücken ist schon etwas schwierig.

Nun führt der GrimmSteig immer bergan. Erst im matschigen Wald, dann über sehr sonnige Wiesen und schließlich an den Kalkbergen im Wald steilrauf. Die Beine sind schon schwer, aber wir müssen da rauf. Oben behaupte ich, den Ausblick zu genießen. Aber eigentlich möchte ich nur weiter, da ich ja weiß, dass Peter nur wenige Meter entfernt auf dem Wanderparkplatz mit einer Pause mit Verpflegung wartet. Dort genießen wir erst einmal wieder die üppige Verpflegung. Auf Diät ist hier heute keiner. Nur das Eis zum Abschluss findet nicht den großen Anklang. Immerhin sind jetzt schon ca. 45 km geschafft. Ich sage mir immer, das ist mehr als die Hälfte. Aber es dauerte auch eine ganze Zeit, bis alle Teilnehmer am Pausenpunkt eingetroffen waren. Inge war auch einmal falsch abgebogen, dazu war ihr Handyakku lehr, aber mit einem guten Riecher hat Peter sie im Ort gleich gefunden und zurück zum Parkplatz gebracht. Hier hatte sie geplant aufzuhören, daher war alles auch nicht so schlimm. Die beiden Teilnehmer aus dem Ruhrgebiet wurden nun aber zusehends müder und es wurde daher immer schwerer, in einer Gruppe zusammen zu gehen.

 

Das Mittagessen ruft

Der kulinarische Höhepunkt war die Verpflegung bei Sigrid. Wie nicht anders zu erwarten, tischte sie ganz groß auf. Suppe, Würstchen, Kuchen, belegte Brötchen, Kaffee und allerlei Kleinigkeiten, was sollen wir denn alles essen. Danach kann man sich gar nicht mehr so richtig bewegen. Egal, es war super lecker und hat mich auch noch einmal motiviert. Der Weg bis zur Pause war dann auch gar nicht so schlimm. Es waren ja auch nur 5,5 Kilometer. Gleich nach dem Wanderparkplatz in Reichenbach geht es relativ stark bergauf. Immer am Höhenzug entlang und schließlich noch deutlich steil hinauf zum Bergfried der ehemaligen Burg. Für die Aussicht hatte ich gar keine Zeit. Gleich wollte ich die steile Treppe hinab hinter mich bringen. Nach mittlerweile fast 50 Kilometern laufe ich schon ziemlich unrund. Die Füße tun mir weh, 2 Blasen machen sich auch bemerkbar. Aber es hielt alle noch im Rahmen. Auf dem matschigen Weg rund um Glimmerode quälten wir uns voran. Immer Opfer der doch zahlreichen Bremsen. Diese Viecher nehmen keine  Rücksicht auf geschundene Körper. Die riechen nur Schweiß und freuen sich auf ein Festmahl. Das heißt es immer nur draufhauen. So laufe ich doch etwas unkontrolliert auf dem Weg, Der Matsch zwingt mich auf den Grünstreifen und dann gucke ich nicht so richtig nach vorne: Zack, da stand ein verrosteter kleiner Pfeiler ohne Vorwarnung direkt neben dem Weg. Und schon läuft die Soße. Das ist aber kein Grund zum Aufgeben. Zum Glück kommt die Mittagspause mit den kulinarischen Highlights und macht alles andere vergessen. Außerdem hat Sigrid als Krankenschwester natürlich entsprechendes Desinfektionsmittel dabei und ich darf dann auch weiterlaufen.

 

Statt Mittagsschlaf

Bis die Gruppe wieder komplett war, dauerte es doch eine ganze Weile. Wir beschlossen daher, die Gruppe zu teilen. Eine etwas zügigere Gruppe, das kamen die beiden Neueinsteigerinnen mit hinzu. und die ruhigere Gruppe, die von Sigrid und Conny begleitet wurde. Wir gingen nun in der prallen Sonne auf die Himmelsberge hinauf. Ich dachte eigentlich, es wären normalerweise nur ein paar Höhenmeter, heute türmten sie sich zum Himmel auf…. Irgendjemand ist da bestimmt nachts vorbeigekommen und hat sie zusätzlich aufgeschüttet. Nein, der GrimmSteig fühlt sich andersrum schon ganz anders an. Nun bemerkte ich auch, dass ich eine Wasserflasche vergessen hatte. Ich musste also den nächsten Abschnitt ohne Wasser zurücklegen. So ein Mist, na gut sind ja nur 15 km, was soll’s, wir sind wieder flott, also 2,5 Stunden ohne Wasser, kein Problem oder doch? Es wurde schon sehr unangenehm. Hinter der Straßenquerung nach Günsterode geht es lange bergab. Im ersten Abschnitt auch recht steil. Daher ließen wir es etwas laufen. Das fühlte sich sehr gut an. Ob es aber wirklich gut für die Oberschenkel ist? Jetzt im Moment war es gut. Der GrimmSteig wechselt dann hinüber auf die andere Talseite zum Schwedenkreuz. Überall pralle Sonne, kein Schatten. Der Wald ist auch größtenteils weg, Und wieder geht es steil runter zur Grundmühle. Immer noch kein Schatten und auch kein Wasser! Die Kehle ist trocken. ich fühle mich nicht gut. Irgendwie habe ich nur noch ein Ziel vor Augen: Horst mit einer Wasserflasche an der nächsten Pause. Zum Glück liegt fast der gesamte Anstieg hinauf zu den Windrädern im Schatten. Jeder geht nun still und leise den Weg hinauf. Die Unterhaltungen sind etwas einsilbig geworden. Mit Ausnahme von Peter und den beiden Neueinsteigerinnen. Da werden alle Unterhaltungen noch sehr angeregt geführt. Nun die letzten Meter Anstieg in der Sonne. Die Bremsen und Fliegen sind wieder sehr lästig und der Schweiß bildet einen kompletten Film auf der Haut. Jetzt durch den Matsch hinaus auf die Schotterstraße an den Windrädern. Irgendwie weiter am Waldrand entlang und runter zum Wasserhaus. Dann nur die Straße queren und dann muss da Horst sein…. Hoffentlich! Das ist jetzt das einzige Ziel. Mein Glück ist perfekt, die Wasserflasche entleere ich sofort komplett. So einen Fehler mache ich nicht noch einmal. Aber dieser Abschnitt ist im Nachhinein super gelaufen. Knapp 15 km in 2:35 Das ist flott, viel schneller als geplant. So hängen wir nur noch eine Stunde hinterher. Alles gut.

 

Letztes Aufbäumen

Ob alles gut ist? Na ja, ich fühle mich komplett fertig. Selbst die leckeren Brötchen von Horst wollen nicht mehr rein. Also, bringen wir den Rest noch hinter uns. Aufgeben ist sowieso keine Option!! Auf jeden Fall fühlen sich die Füße besser an, als letztes Jahr. Blasen spüre ich schon, ja, aber es geht schon einigermaßen. Die Schritte über den Friedhof sind schnell gemacht. Nun über den unebenen engen Waldpfad. Jetzt irgendwie wieder in den Schritt kommen. Die Beine tun weh, vor allem die Oberschenkel. War es wirklich gut, es bergab etwas laufen zu lassen? Die Beine sind einfach nur schwer. Und dann sind da auch noch die Brennnesseln. Der Weg ist einfach nur schmal, matschig und zugewachsen. Wir müssen da durch und immer weiter. Runter zu der kleinen Brücke und dann zum Holzteich. Ok, die Sonne brennt, es geht so eben da hin und eigentlich ist es jetzt nur noch ein richtiger Berg. Hinauf auf den Belgerkopf. So trotten wir nebenher… .  Schritt für Schritt kämpfen wir uns hoch. es ist auch nicht wirklich anstrengender, bergauf zu gehen. Jeder Schritt ist einfach nur anstrengend. Oben geht es wieder durch enges Gestrüpp und auch einmal über einen Baumstumpf klettern. Wieder runter und doch wieder steil hinauf. Jetzt ist es geschafft. Kurze Trinkpause. Und nun runter. Der lange Abstieg ins Lossetal. 300 Höhenmeter. Normal ist das recht angenehm, heute nicht. Die Oberschenkel melden sich permanent zu Wort. Natürlich, aufgeben ist keine Option und steht überhaupt nicht zur Debatte. Es geht auch noch, aber genießen kann man das nicht nennen. Wir überlegen, ob es sinnvoll wäre, im Tresor schnell ein Bierchen zu zischen. Sehr verlockend. Es würde auf dem Weg zum Magen geradezu verdampfen. Lecker! Es ist ein guter Gedanke, er motiviert. Das nächste Etappenziel ist die Dillinghütte. Dort werden wir eine kleine Trinkpause machen. Und auch hinsetzen. Ich entspanne dann immer stark meinen Rücken. Erstmal „Katzenbuckel“ und die Lendenwirbelsäule etwas dehnen. Das ist richtig angenehm. und es geht wieder weiter. Conny kommt uns mit einem Strahlen entgegen. Sie wird uns die letzten Meter bis zur Königs-Alm begleiten. Letzten Meter ist etwas übertrieben, es sind noch gut 5 Kilometer, also umgerechnet 1 Stunde. Im Moment fühlt sich das wie eine ganze Ewigkeit an. Eine Stunde sollen wir noch laufen. Gefühlt sind wir doch schon da. Durch Kaufungen geht es nun immer weiter, Schritt für Schritt. Wir sehen den Tresor. Jetzt ein Bier? Nein, die Vernunft siegt! Natürlich. Jede Pause macht den Weg im Prinzip noch länger und das tolle Abschlussbier muss noch länger warten. Nein, wir gehen weiter! Über den Bahnhof geht es schließlich wieder rauf. Wieder einmal bergauf. Aber es ist gar nicht so schlimm. Bergaufgehen ist schon anstrengend, aber es geht schon. Jetzt in der Sonne am Mitteltalhof vorbei. Auch hier wird gefeiert und auch Bier getrunken. Nein, wir gehen durch. Erst etwas steiler, und dann immer flacher, langsam kommt der Parkplatz in Sicht. Und es ist dann auch gar nicht so schlimm. Wir gehen gleich weiter zur Königs-Alm. Setzen ist das nächste Ziel, eine Maß bestellen und einfach nur Ankommen!

Entspannung auf der Königs-Alm

Wir sitzen an unserem Tisch und freuen uns absolut auf das Belohnungsgetränk. Diese Maß habe ich mir schon in allen Formen vorgestellt. Wenn du diese trinkst, liegen die Mühen und Anstrengungen hinter dir. Dann nur noch genießen. Aber so richtig schmeckt es nicht. Mein Akku ist ziemlich leer. Jetzt muss ich doch eingestehen, dass es nicht sinnvoll ist, den GrimmSteig ohne gezieltes Training zu machen. Er ist sehr anstrengend, hat neben der Länge auch eine hohe Zahl an Höhenmeter und fordert einen stark heraus. Und nach zweimal in der klassischen Richtung gegen den Uhrzeigersinn kann ich für mich festhalten, dass der Weg im Uhrzeigersinn heftiger ist. Die Höhenmeter sind natürlich gleich, aber die Anstiege sind länger und die Abstiege sind deutlich steiler. Er lässt sich so deutlich schwerer gehen. Außerdem liegen gerade in der Söhre gegen Ende noch einige Schwerpunkte, die in der anderen Laufrichtung eher am Anfang kommen. Positiv ist aber, dass das lange Gläsnertal nicht zum Schluss kommt. Gerade am Ende ziehen sich die flachen Wege mit wachsender Erschöpfung endlos. Diesmal ging es kurz und knackig hoch zur Alm und gut war es.

Wir strahlen jetzt doch schon und ich freue mich auch richtig aufs Bett! Ich bin so kaputt, dass ich nicht mal richtig schlafen kann. Die komplette Müdigkeit kommt erst mit einem Tag Verspätung. Mal sehen, wann ich mich wieder einer neuen Herausforderung stellen werde. Die Idee von der Staufenbergrunde mit 59,7 km geistert schon in meinem Kopf herum. Sind ja über 20 km weniger! Klappt schon, oder?

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Auf dem Kasselweg